“You made my day!”

Oct 24th, 2012 | By | Category: Canta al mar, Choir Events, Personal Reports

HeartChor performing in Pop category (Photo: INTERKULTUR)

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Von Melanie Wiescher (CHORREPORTERIN), HeartChor, Deutschland

Freitag, 19.10.2012
Am Tag des Wettbewerbs geht es schon morgens zu wie in einem Bienenstock. Emsige Betriebsamkeit und ein scheinbar planloses Durcheinander. Überall in den Ecken und Plätzen des Hotels ploppen Chöre auf zum Einsingen. Erst summt es, dann klingt es. Zum Teil so schön und klar, dass wir vor Neid erblassen.

Nach intensivem Warmsingen und letztem Ausbügeln von Fehlern, machen auch wir uns auf den Weg durch die Stadt zur Fabrica Llobet-Guri. Scheinbar zu overdressed für einen Einkaufsbummel, fallen wir natürlich auf bei unserem Marsch durch Calella. Jetzt nur nichts dreckig machen und in keine Pfütze treten. Auf dem Weg dorthin, macht sich wohl so jeder seine eigenen Gedanken. Aber eins ist klar: So aufgeregt waren viele wahrscheinlich noch nie!

Die Unsicherheit, weil das ja die erste Teilnahme an so einem Wettbewerb ist, wirft viele Fragen auf. Wie ist die Atmosphäre im Saal? Wieviel Publikum wird da sein? Wer sitzt in der Jury? Was mache ich, wenn ich die Treppen zur Bühne rauffalle? Und werden wir es schaffen, den dumpfen Klang auf der Bühne zu ignorieren? Können wir uns motivieren, trotz des schlechten Bühnensounds nicht zu laut zu singen? Als wir am Wettbewerbsort ankommen, geht es strikt nach Zeitplan. Da wir vor lauter Aufregung zu früh dran sind, müssen wir noch draußen warten. Die Zeit vertreiben wir uns mit „Einsingspielchen“ und „Akkustiktests“ im Eingangsbereich der Fabrik. Weil es so schön hallt!

Dann kommt der Aufruf und wir werden in den Vorbereitungsraum gebracht zum Einsingen. Nach 15 Minuten heißt es: „Vamos!“ Es gibt kein Zurück mehr! Aufstellung zum Einmarsch, kurze Ansage und los geht’s!

Jetzt steht man auf der Bühne und merkt, man hätte doch noch mal aufs Klo gehen sollen. Die Halle ist nur zu einem Viertel besetzt. In der Mitte steht der Jurytisch mit den Juroren. Sechs Gesichter in Stein gemeißelt! Nichts ist abzulesen. Auch das Publikum ist reglos. Wenn man sowas noch nie mitgemacht hat, kann das ganz schön verunsichern. Wir singen, was das Zeug hält und kommen relativ gut durch. Ein paar Fehler passieren trotzdem. Die Verunsicherung bleibt. Mit einem komischen Gefühl gehen wir ins Hotel zurück.

Die eine Hälfte geht abends nochmal zum zweiten Teil des Wettbewerbs Pop, um sich die Konkurrenz anzuhören. Die andere versucht sich mit einem Besuch in Barcelona und dem Erkunden des Nachtlebens abzulenken.

Samstag, 20.10.2012
„You made my day!“
Das war das Statement einer älteren Dame aus Schweden, die uns beim Singen in den Straßen Calellas gehört hat. Gibt es eine schönere Bestätigung für einen gelungenen Auftritt? Mitten in der Altstadt, verteilt in den Straßen und Ecken, gaben alle Chöre nochmal ihr Können zum Besten. An diesem Tag bestätigt sich mal wieder, dass wir ein „Chor für die Straße“ sind. Das heißt, wir brauchen das Publikum, das wir mitreißen können. Die Gesichter, die strahlen, wenn der erste Ton erklingt. Die Menschen, die vor Begeisterung tanzen und fast alle Texte mitsingen können.

So wie uns geht es auch manch anderem Chor, haben wir festgestellt. Mit zwei dieser Chöre haben wir Freundschaft geschlossen. Die Chemie stimmte sofort. Ein Chor aus Israel hat uns spontan in deren Hotel eingeladen zum abendlichen gemeinsamen Singen. Ein anderer Chor aus Norwegen legt direkt ein Angebot auf den Tisch und läd uns für nächstes Jahr zu einem nationalen Festival als „special guests“ nach Ålesund ein. So kann es weiter gehen!

Als Fazit ist zu sagen: Wir haben Blasen an den Füßen, sind völlig übermüdet, haben keine Stimme mehr – aber wir sind überglücklich!

Um es mit den Worten unseres Chorleiters Andy Dodt zu sagen: Wir sind gekommen um eine Duftmarke zu setzen und gehen mit einem Adressbuch voller Freunde aus der ganzen Welt!

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