Der Moment, den ich nie vergessen werde

Feb 24th, 2014 | By | Category: Choir Events, Personal Reports, Top Post, World Choir Games

The "8 Seconds" Mixed Chorus (Photo: Kevin Husted)

The “8 Seconds” Mixed Chorus (Photo: Kevin Husted)

Von Cai Yuheng (Hangzhou Normal University, China)

Ich habe stets Chancengleichheit und Unabhängigkeit verfolgt und war überzeugt, dass man die Möglichkeit bekommen sollte, Talent und Ehrgeiz zu zeigen und dafür eine angemessene Gegenleistung erhalten sollte. Auf der anderen Seite war meine Denkweise von aufregenden amerikanischen Kinofilmen beeinflusst und mein Traum in der High School war es, im Ausland zu studieren.

Die Vorbereitungen auf die World Choir Games waren intensiv und anstrengend für mich. Ich war ein Juniormitglied und neu im Chor dabei, also konnte ich während der Proben nie nachlässig sein. Ich musste mich auf jedes Wort, das der Lehrer äußerte, konzentrieren, um beim Tempo der Proben mitzuhalten. Ich musste außerdem immer und immer wieder sogar nach den Proben üben, um die Tonlage exakt zu halten. Ich änderte meine Lebensweise, um in bestmöglichster Verfassung für die Proben zu sein. Ich ging früh zu Bett, lehnte alle Einladungen ab und verschob jeden Termin, der sich mit den Probenterminen überschnitt. Sechs Monate später verschlechterten sich meine Englischkenntnisse und ich konnte meinen Traum, im Ausland zu studieren, nicht verwirklichen. Als ich vor der Situation stand, dass ich wenig Zeit zur Verfügung hatte, aber sowohl langwierige Chorproben als auch intensive Examensvorbereitungen anstanden, entschloss ich mich, mein Privatleben hintenan, und alles, was den Chor betraf, voran zu stellen. Meine Anstrengungen zahlten sich schließlich im Juli aus. Alle schwierigen Momente verwandelten sich in Freudentränen. Ich hatte mein Ziel, im Ausland zu studieren, auf andere Art erreicht.

Der Moment des Sieges

‘Sehr geehrte Damen und Herren der World Choir Games: Der Gewinner des Championwettbewerbes und Champion der World Choir Games ist: “The ‘8 Seconds’ Mixed Choir!”

Nachdem alle Goldmedaillengewinner verkündet wurden, erklärte der Moderator, dass der Sieg an uns, den ‘Eight Seconds Choir’ der Hangzhou Normal University ging, und wir brachen in Tränen aus und konnten unsere Aufregung nicht kontrollieren. Es fühlte sich wie ein Kopf-an-Kopf Rennen bei einem Hundert-Meter-Lauf an. Es fühlte sich wie ein leerer Raum an. Ich rannte zur Bühne und hielt meine Freunde an den Händen; ich fühlte meine Arne und Beine nicht mehr und um mich herum hörte ich nur gedämpfte Rufe.

Im Licht der Scheinwerfer und Blitzlichter schwenkten wir unsere Landesfahne und wir lachten, weinten und riefen: ‘8 seconds! 8 seconds!’ Ich drehte mich um und sah, wie meine Freunde bereits mit unserem beliebten Lehrer jubelten. Die vertraute Melodie der chinesischen Nationalhymne brachte uns für einen Moment zum Schweigen und beinahe jeder erhob sich. Ich sang die Nationalhymne mit der vermutlich lautesten Stimme, die ich je hatte, und winkte dem Publikum zu.

Ich muss zugeben, dass das Frühstück am nächsten Morgen sehr gut und angenehm verlief. Unser Lehrer, der die ganze Zeit über bei uns war, hielt eine leidenschaftliche Rede und gratulierte uns zum Medaillengewinn. Ich begriff, dass die Freude eines bestimmten Momentes viel mehr bedeutet, als alle Ehre und alles Lob. Wir waren so glücklich. Die Erfahrungen, die wir teilten, was wir lernten, was wir hörten und was wir sahen kann niemals nur durch Unterricht vermittelt werden. 2012 ließ ich meine Stimme in Amerika und weinte und lachte. Ich blickte aus dem Flugzeugfenster auf die Berge Alaskas und dachte: Ich werde diese Momente nie vergessen.

Es war eine große Ehre, an einem Wettbewerb mit einem solch hohen Standard teilnehmen zu können und gleichzeitig war es ermüdend und anstrengend. Ich hatte alle möglichen Gefühle in meinem Herzen, als ich ausgewählt wurde, um an den World Choir Games teilzunehmen, und dass ich somit in der Lage war, bei einem internationalen Wettbewerb dabei zu sein. Es war, als ob die Zeit stillstand und ich jeden einzelnen Moment – die traurigen und die schönen – in meinem Kopf noch einmal erleben konnte.

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